Aktivitäten

Projekttagszeitung

Autor: Karin Hadas

 

Über 65 Schüler und Schülerinnen aus allen Jahrgansstufen sollten zusammen eine Projekttagszeitung erstellen. Da diese "übersichtliche" Gruppe sicherlich die Deutsch-Elite des Gymnasiums Neubiberg repräsentiert, sollte das prinzipiell kein größeres Problem darstellen. Jedoch schon die Zuteilung der Schüler zu den einzelnen Projekten, über die sie berichten sollten, bei der vorangegangenen Vorbesprechung hatte sich schwieriger gestaltet, als geplant, deshalb wurde der Verlauf dieses so gut organisierten Projekttages mit Spannung erwartet. Nachdem die Gruppe die erste Hürde des Vormittags, das Aufräumen der Stühle in der Aula erfolgreich gemeistert hatte, konnte mit einiger Verspätung das eigentliche Projekt in Angriff genommen werden. Während einige Gruppen sehr gut zusammenarbeiteten und schnell Ergebnisse vorweisen konnten, dauerte dies bei anderen etwas länger. Genaugenommen mindestens doppelt so lange. Ebenso unterschiedlich waren die dabei entstandenen Texte, zwischen einer DIN A4 Seite und zehn Zeilen! Auf die Qualität der einzelnen Beiträge wird hier aus Rücksicht auf ihre Verfasser nicht näher eingegangen.

Aber noch hatten diese mehr oder minder eifrigen Schüler zwei Stunden Zeit, die Inhalte ihrer Artikel doch noch etwas zu konkretisieren und auszuformulieren. Zwei sehr lange Stunden für die Schüler, die zumindest ihrer Meinung nach schon fertig waren und zwei sehr kurze Stunden für die Schüler, Schülerinnen und Lehrer, die die ruhmreiche Aufgabe hatten, diese Ergebnisse zu korrigieren und zu verbessern. Dabei müsste sich einem eigentlich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, für solch ein zeitaufwändiges Projekt genau zwei Lehrerinnen (wovon eine noch Unterricht in K13 zu halten hat) für 65 Schüler einzuteilen, womit jede einzelne von ihnen 33 Schüler zu betreuen hat. Gleichzeitig beschweren sich andere Lehrer schon bei einer Gruppenanzahl von mehr als 15 Schülern. Irgendwie merkwürdig, oder? Dennoch gaben sowohl Frau Kerschnitzki als auch Frau Fütterer ihr Bestes, unterstützt von einigen älteren Schülern, die sich schon im Anschluss an die Vorbesprechung nicht mehr sicher waren, ob sie sich nicht doch für ein anderes Projekt hätten einteilen lassen sollen. Wurde dann also nach langer Zeit mal ein Artikel fertig, musste er nur noch von den zuständigen Lehrern auf Rechtschreib-, Stil-, oder Grammatikfehler korrigiert werden. Nur noch? Wer hätte denn auch im Vornherein ahnen können, dass sich das so zeitaufwändig gestalten würde? Es gab doch gleich zwei Lehrer für ein Projekt! Das sollte doch wirklich reichen! Und es ist völlig verständlich, dass die Organisatoren, Frau Kerschnitzkis massive Bedenken und Lösungsvorschläge einfach nicht berücksichtigen konnten! Aber zum Glück gab es ja noch den Samstag. Je nach Aufgabe gelangweilt, genervt oder gestresst, verließ einer nach dem anderen am Freitag (Nach)mittag das Schulgebäude. Nicht zu vergessen die völlig verängstigten jüngeren Schüler, die seit sie die Morddrohung von Frau K. aus M. vernommen hatten, "Ich bin froh, wenn ich bis Samstag keinen Schüler erschlagen habe", in der ständigen Angst lebten, ihr erstes Opfer zu sein. Wahrscheinlich ist es nur der mütterlichen Ruhe von Frau Fütterer zu verdanken, dass dieser Fall (bisher) nicht eingetreten ist.

 

Tag zwei, der Samstag: Mehr oder weniger pünktlich fand sich am Samstag ein Großteil der Schüler wieder am ausgemachten Treffpunkt ein. Die Schüler der K12 nahmen mit kaum zu bremsenden Eifer ihre neue Aufgabe, das Aufräumen des Theaterkellers, in Angriff. Sie hatten sich bisher mit ihrer Aktivität schwer zurückgehalten:

Zitat Frau Fütterer: "Schade ist, wenn in diesem Alter das Sortieren von ca. 100 Knallfröschen zwei Tage lang sämtliche geistigen und körperlichen Kapazitäten in Anspruch nimmt!" Aus Gründen des Jugendschutzes kann das Zitat von Frau Kerschnitzki hier nicht abgedruckt werden.

Danach konnte der weitere Verlauf des Vormittags besprochen werden. Dabei wurde die neue Aufgabe, einen Abschlussbericht über die jeweilige Präsentation der einzelnen Projekte, zu schreiben von den älteren Schüler, wie erwartet, mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Tatsache, dass die ihnen zugeteilten Helfer als Frösche verkleidet im Schulhaus herumliefen, um Spenden für den Knallfrosch zu sammeln, war dabei nicht unbedingt hilfreich.

Dennoch konnte diese Projektzeitung überraschender Weise doch noch fertiggestellt werden und das Ergebnis von den Eltern, die fasziniert die "selbstgeschriebenen" Artikeln ihrer wortgewandten Sprösslinge lasen, begutachtet werden. Vielleicht sollte man doch noch den Oscar in der Kategorie "lehrerbelastendes und für alle Beteiligten anstrengendstes Projekt" verleihen - das Projekt "Projektzeitung" hätte ihn verdient!