1:@GN.
Compassion (Mitleid) und soziales Engagement – auch wenn mancher ein ganz anderes Bild von der heutigen Jugend haben mag – für unsere Schüler sind dies keine Fremdwörter. Im Gegenteil, weit über hundert Schülerinnen und Schüler laufen auf Initiative des SMV für ein Hilfsprojekt in Afghanistan und sammeln über 10000.- Euro und unsere Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse engagieren sich im so genannten Sozialpraktikum für Senioren, Behinderte, Jugendliche mit Migrationshintergrund, Kinder ...
"Die Kleinen haben gefragt, kommst du nächste Woche wieder? Da habe ich gesagt, nein, ich muss wieder in die Schule. Da haben sie gefragt: Wann bist du mit der Schule fertig. Ich habe gesagt, dass ich so um halb zwei zuhause bin. Darauf ein Mädchen: Ich geh um zwei, da kannst du ja noch für ne halbe Stunde vorbei kommen." (Moritz, Kindergarten)
"Es ist voll komisch, wenn man da zum ersten mal hinkommt. Eine große Mauer, eine Sicherheitsschleuse, man wird richtig durchsucht und hört hinter der Mauer nur glücklich herumtobende Kinder." (Simone, jüdischer Kindergarten)
"Mir ist voll aufgefallen, dass die jüdischen Kinder viel höflicher sind, als unsere Kinder. Die sagen zwar auch oft: "Mit dem mag ich nicht spielen!", aber wenn man ihnen dann sagt, dass das nicht gut ist, dann entschuldigen sie sich sofort ..." (Simone, jüdischer Kindergarten)
"Manche sind ja sehr dankbar, aber dann gab es auch Leute, die waren richtig unverschämt, die haben einfach in die Kisten mit Essen gegriffen, gemosert, dass die Sachen nicht gut genug sind ..." (Julian, Münchner Tafel)
"Da gab es Jugendliche, die verstehen nicht mal, wie man "Vier-gewinnt" spielt. Andere waren durchaus intelligent, aber die leben schon in der vierten Generation von Sozialhilfe, die fördert keiner, denen hilft keiner ..." (Konstantin, Praktikum in einem Jugendzentrum am Hasenbergl)
"Wenn die Sinti da waren, dann kamen die Türken nicht und umgekehrt." (Konstantin, Praktikum in einem Jugendzentrum am Hasenbergl)
Soziales Lernen und Compassion
Viel wird in der Gegenwart über die so genannten "social skills" geredet. Die Wirtschaft fordert sie ein, klagt über Berufseinsteiger, denen es nicht gelinge, sich in Gruppen richtig einzuordnen, da sie sich selbst und ihre Wirkung auf andere nicht richtig einschätzen können. Doch es ist nicht nur die Wirtschaft, die klagt, die Jugendlichen selbst spüren diese Defizite und leiden oft darunter. Doch wo ist innerhalb der Schule der Platz und die Zeit für soziales Lernen?
Parallel dazu scheint das Verständnis für Menschen in anderen Lebenslagen (Alte, Behinderte, Hartz IV-Empfänger, Familien mit Kindern ...) immer weiter abzunehmen. Unsere Gesellschaft, so ist immer wieder zu lesen, driftet auseinander, compassion fehle, die Fähigkeit mit zu leiden, sich für Schwächere zu engagieren und gerade auch in der Schule nimmt der Leistungsdruck und parallel dazu das Konkurrenzdenken und eine "Jeder muss sehen, wo er bleibt" - Mentalität zu.
Dies sind bedenkliche Phänomene, gegen die etwas unternommen werden sollte. Und so ist es kein Wunder, dass ein Manager, der seinen Platz hinter dem Schreibtisch verlässt, um eine Zeit lang etwa bei der Münchner Tafel mit zu arbeiten, als positives Beispiel in den Tageszeitungen erscheint. Doch, was anderenorts eine Ausnahme ist, hat bei uns Tradition. Deshalb gibt es am Gymnasium Neubiberg kein Betriebspraktikum, sondern seit vielen Jahren das so genannte Sozialpraktikum, an dem alle Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse teilnehmen. Es dient dem sozialen Lernen und der Förderung von compassion.
Ziele
Vorbereitung
Natürlich sollen unsere Schülerinnen und Schüler nicht unvorbereitet ins Praktikum gehen. Deshalb gab es vor Beginn des Praktikums einige Kurse für sie:
Begegnungen – Bewusstsein schaffen
Das Sozialsystem der Bundesrepublik, Hartz IV, Ausländerintegration – Themen wie diese spielen im Schulalltag eine untergeordnete Rolle. Sie werden wenn, dann oft nur im intellektuellen Diskurs behandelt, doch, was es wirklich bedeutet, von Hartz IV zu leben, das können sich die meisten nicht vorstellen. Entsprechend häufig stößt man im Schulalltag im Gespräch über soziale Fragestellungen auf eine Mischung aus Unwissenheit, Unsicherheit und Vorurteilen. Um diesem Phänomen entgegen zu wirken, wurde in diesem Jahr die Reihe "Begegnungen" ins Leben gerufen.
Experten, denen wir zutiefst zu Dank verpflichtet sind, kamen und berichteten aus dem Alltag:
Gedankt sei:
Dr. Th. Rübig